Die Geburt des Guerillafilms II – Mein Weg …

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Die Filme, die wir in den vergangenen fünf Jahren in den Bergen gedreht haben, von Tîrêj bis Bêrîtan1, gehören nicht nur uns. Diese Filme gehören allen Guerillakämpfer*innen, die in den Bergen leben. Das ist das Schönste an den Bergen. Hier gehört alles, was geschaffen wird, allen. Von den Militäraktionen bis zur gewöhnlichsten Arbeit gehört alles allen. Alles wird von allen angenommen, als wenn sie es selbst gemacht hätten. Dann wird darüber diskutiert und Falsches oder Fehlendes wird kritisiert. Alle unsere Projekte haben diese Stufen durchlaufen. Nicht nur unser Filmteam, sondern alle Guerillaeinheiten in den Bergen haben unsere Filme diskutiert und aus weiter Ferne ist Kritik gekommen. Zunächst war dies nicht einfach für mich. Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten damit die Kritik von Freund*innen, die keine Ahnung vom Kino haben, aufzunehmen. Kein Guerilla hier hatte Erfahrung mit der Filmerei. Aber jede/r Guerilla hatte etwas zu sagen. Zu Beginn hielt ich die meiste Kritik für falsch.

Später habe ich dann etwas Wesentliches realisiert. Ich erzählte von der Guerilla. Aber meine Freund*innen konnten sich in meiner Arbeit nicht wiedererkennen. Das zeigte, dass ich die Guerilla nicht richtig zu Ausdruck brachte. Hinter ihren Worten und Kritiken lag diese Wirklichkeit verborgen. Das hat mir gezeigt, dass es mir noch nicht gelungen war, ihr Herz zu erfassen. Danach bin ich gründlicher und tiefgehender vorgegangen. Ich habe versucht, der Guerilla besser zuzuhören und tiefer in das Wesentliche vorzudringen. Keiner von ihnen verfügte über akademisches Wissen über das Filmen. Manche von ihnen hatten jahrelang nicht einen einzigen Film angeschaut. Aber sie behandelten meine Arbeit als wäre es ihre, kritisierten sie dementsprechend und regten sich manchmal auf.

Erst war ich oft beleidigt, aber später habe ich diese Haltung lieben gelernt. Dass sie meine Arbeit, einen von mir gedrehten Film als ihr eigenes Werk sehen und sich etwas Besseres wünschten machte mich glücklich. Und ich habe gemerkt, dass sich in dieser ganzen Zeit in mir etwas angesammelt hatte. Wenn ich mich auf den Weg begeben hatte, um von der Guerilla zu erzählen, musste ich ihnen bis zum Ende Gehör schenken und sie im Herzen treffen.

Deshalb habe ich jedes Projekt erst der Guerilla präsentiert. Nun nahm ich auch die gewöhnlichsten Bewertungen ernst. Das in diesen Bewertungen verborgene Wahrhaftige sollte mir den richtigen Weg weisen. Die Kunst lag in den Worten der Guerilla verborgen, das konnte ich nun fühlen. Und nun war es mir gelungen, die größte Schwäche der kurdischen Künstler*innen, der kurdischen Filmemacher*innen in meiner eigenen Seele zu packen.

Für eine/n Künstler*in besteht der erste Schritt darin, die Widersprüche des Volks zu erfassen. Andernfalls werden weder akademische Titel noch die beste technische Ausbildung Erfolg bringen. Der/die Künstler*in muss sich als erstes fragen, was sein/ihr Volk durchlebt, was seine grundlegenden Widersprüche sind. Er muss sich dies nicht nur fragen und Antworten liefern, sondern diese Widersprüche auch leben. Der/die Künstler*in steht weder vor noch hinter seinem Volk, sondern mitten in ihm. Er/sie darf sein/ihr Volk nicht wie ein Objekt, das in irgendeinem Feld der Kunst thematisiert werden soll, betrachten, sondern muss es als Subjekt seines/ihres Lebens leben. Wenn er/sie einen Film über den Krieg machen will, muss er/sie in die Welt der Kämpfer*innen eintauchen. Wenn er/sie einen Film über sein/ihr Volk machen will, muss er/sie die Kämpfe zwischen dem kurdischen Volk und dem türkischen Staat in den Gassen und Straßen von Amed im Frühling 20062 auf die Leinwand tragen. Wenn er/sie einen Film über ein Kind machen will, muss er/sie die Worte einer Mutter, die ihr von der Polizei getötetes Kind in den Armen trägt, mit eigenen Ohren hören, dies mit eigenen Augen sehen.

Der/die Künstler*in betrachtet sein/ihr Volk nicht aus der Ferne, sondern lebt inmitten seines/ihres Volkes. Ein/e Regisseur*in, dessen/deren Leben weit entfernt von dem des Volkes liegt, dessen/deren Gedanken die eines Flüchtlings und dessen/deren Gefühle die eines/r Fremden sind, kann trotzdem Filme schaffen. Aber es wird sich nicht um das Kino des eigenen Volkes handeln. Wahre/r Künstler*in ist, wer mit seinem Volk lacht, weint, Schulter an Schulter auf den Straßen kämpft und wenn nötig dazu bereit ist, mit ihm sein/ihr Leben zu lassen. Als Filmschaffende eines anderen Volkes wäre es vielleicht sehr viel einfacher für uns Filme zu drehen. Vielleicht würden wir dann über all das gar nicht sprechen. Aber wenn wir es uns zum Ziel gemacht haben, als Künstler*innen eines Volks, das einen Guerillakampf führt, Kunst und Kino zu schaffen, dann müssen wir unser eigenes Leben hinterfragen.

Bis zum Film Bêrîtan habe ich ruhigen Herzens der Kritik von Hunderten Guerillakämpfer*innen Ohr geschenkt. Diese Menschen sind die Kinder des Volks. Ihre Worte sind die Worte eines Volks. Die Schweigenden habe ich selbst nach ihrer Meinung gefragt. Ich wollte hören, wie nah ich dem Volk und seinen Kindern bin. Vor jedem Filmprojekt habe ich immer viel Zeit in den Guerillaeinheiten verbracht. Ich habe versucht, den Geruch des Schweißes auf ihren Gesichtern zu riechen, die Sehnsucht auf ihren Lippen zu lesen, die Liebe in ihren Herzen zu fassen. Das ist mein Weg im Kino.

Märchen und Melodie …

Eigentlich sind die Geschichten hinter meinen Filmen größer als die Filme selbst. Dieses Lied hat lange Zeit vor mir irgendwo begonnen. Irgendwann habe ich ihrem Klang zugehört und viel später erst selbst damit begonnen, wenn auch mit Scham, das Lied zu singen.

Dass ich selbst Zeuge meiner Geschichten bin, stellt wiederum eine größere Schwierigkeit dar. Hätte ich diesen Geschichten nur zugehört oder diese irgendwo gelesen, wäre meine Arbeit vielleicht leichter. Am Anfang dachte ich, es sei von Vorteil, diese Geschichten sowie die in ihr verborgenen Schmerzen, die Trauer und die Gefühle selbst erlebt zu haben. Mit der Zeit habe ich realisiert, dass dem nicht so ist. Mir fehlte es an Wissen und Erfahrung, um eine Geschichte cineastisch zu erzählen. Lange Zeit habe ich mich deshalb zurückgehalten. Aber ich musste irgendwo beginnen, damit ich mit der Zeit meiner Aufgabe gerecht werden konnte. Deshalb musste ich meine ersten Geschichten meiner fehlenden Erfahrung opfern. Noch immer macht mich dies traurig. Der Wunsch, den Film Tîrêj noch einmal zu drehen, ist noch immer wie ein Stechen in mir.

Folgende Wirklichkeit habe ich erkannt: Das Geheimnis des kurdischen Kinos liegt nicht in der Realität sondern im Märchen verborgen. Ich werde keine Geschichte erzählen, zu der ich nicht gehöre, in der ich mich nicht wiederfinde, die nicht Teil meiner Seele ist. Tîrêj hat vor mir in diesen Bergen gelebt. Er war Arzt und hat als Guerillakommandant in diesen Bergen gelebt. Auf den Wegen dieser Berge bin ich nur einmal auf ihn getroffen. In meinem Gedächtnis sind nur seine Statur und seine Augen geblieben. Jahre später, in der Nacht, in der er verwundet wurde, habe ich in der unbeschreiblichen Kühle der Nacht neben einer viertausend Jahre alten Melodie seinen letzten Worten über das Funkgerät zugehört. Während er verwundet in seiner Stellung liegend, voller Demut »Grüße an alle Genossen, Beileid dem kurdischen Volk« sprach, konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Diese letzten Worte von Tîrêj haben mich in den Tiefen meines Herzes getroffen.

Meine Filme nähren sich von wahren Märchen. Aber jedes Mal, wenn ich mir das Endergebnis anschaue, denke ich, dass es auch diesmal nichts geworden ist. Jedoch ziehe ich es vor, weiterzumachen anstatt zu warten. Hätte ich zu Beginn die Möglichkeit gehabt, Filme anzuschauen, hätten mich mit Sicherheit manche Regisseur*innen beeinflusst. Aber damals hatten wir keinen Zugang zu Filmen. Jetzt denke ich, gut, dass es keinen Zugang gab. Ich wurde bei der Filmemacherei nicht von Regisseur*innen, sondern von Schriftstellern beeinflusst. Beispielsweise die Charakteranalysen von Victor Hugo, die unglaublichen Motive von Orhan Pamuk und die Geschichten von Murathan Mungan aus Kurdistan haben vielleicht den eigentlichen Grund meiner Filme gebildet. Meiner Meinung nach handelt es sich bei ihnen um sehr starke Literaten. Aber ich habe in ihren Werken große Bilder auffangen können. Der starke Aufbau und die Erzählformen in ihren Büchern haben mich tief beeinflusst. Ich kann mich natürlich nicht zwischen ihnen einreihen, aber ich kann auch ihren Beitrag für die Guerillafilme nicht leugnen. Noch immer habe ich vor jedem Dreh ein Buch eines dieser drei Schriftsteller bei mir. Welches Buch es sein soll bestimme ich nicht selbst. Als würden sie es untereinander bestimmen wartet zu Beginn jedes Drehs immer eines ihrer Bücher auf mich. Still erzählen sie dann ihr eigenes Märchen und werden plötzlich zum Teil des Films.

Das Geheimnis des kurdischen Kinos verbirgt sich nicht im Wort sondern in der Melodie …

Ich bin davon überzeugt, dass kurdische Filmemacher*innen nur durch kurdische Filme oder der Darstellung von kurdischen Themen kein Kino schaffen können. Die Tiefgründigkeit in der kurdischen Musik kann auch für das Kino ein Beispiel darstellen. Egal wo und unter welchen Umständen, kurdische Melodien können immer herausgehört werden. Zwischen allen Geräuschen und Tönen sind sie erkennbar. Während der Dreharbeiten von Bêrîtan habe ich mit einem kurdischen Mädchen zusammengearbeitet. Bei jeder Pause bat ich dieses schöne Mädchen aus den Bergen von Hakkari16 darum, uns ein Lied zu singen. Ich wusste selbst nicht warum. Ich weiß auch nicht, was genau ich in ihren kurdischen Liedern, die ich nicht verstand, fand. Vielleicht ist es auch nur ein Traum, aber in meinen Filmen versuche ich, die einzigartige Melodie der kurdischen Musik und die in den kurdischen Märchen verborgene Wirklichkeit zu erfassen. Diese viertausend Jahre alte Ader, diese Märchen und Melodien bilden auch heute noch den Kern der kurdischen Kunst. Der Ausgangspunkt des kurdischen Films liegt auch nicht weit von uns entfernt, sondern in der unleugbaren Wirklichkeit, in der Märchen und Melodie aufeinander treffen, verborgen: Dem Dengbêjtum3. Ich wünschte, ich könnte sie verstehen. Das ist meine Selbstkritik.

Wagnis …

In diesen Bergen gibt es einen Spruch, den die Guerilla gerne benutzt. Sollten Sie eines Tages in die Berge gehen, wird es vielleicht das Erste sein, was Sie zu hören bekommen. Ihr/e Wegführer*in wird dann sagen »Der beste Weg ist der, den du kennst« und er/sie wird Sie über Pfade führen, die er/sie sehr gut kennt. Dass es sich hierbei nicht einfach nur um einen Spruch handelt, sondern dass er aus dem Herzen der Guerilla kommt, habe ich während meines Lebens in den Bergen verstanden. Dieser Satz ist gar in den versteckten Ecken des Bewusstseins des kurdischen Volks verborgen. Das habe ich in den Einöden der Seele jedes/r Kurd*in, auf den/die ich getroffen bin, gespürt.

Mit der Zeit habe ich erkannt, dass dieses ungeschriebene Prinzip den Rahmen meines Lebens in den Bergen bildet und meine Arbeiten entsprechend dieses Prinzips an Form gewinnen. Jetzt muss ich immer lachen, wenn mir dieser Satz, den unser Wegführer vor Jahren gesagt hat, in den Sinn kommt. Ich glaube daran, dass sowohl das kurdische Kino als auch der/die Kurd*in selbst mit dieser reinen Wirklichkeit in starkem Zusammenhang stehen. Hier liegt zugleich die Chiffre des Herzes des kurdischen Volks verborgen. Ich bin mir darüber bewusst, dass kurdische Filmemacher den kurdischen Menschen nicht erreichen können, ohne diese Chiffre zu lösen und die Kodifikation kurdischer Leben zu entziffern. Ich muss an dieser Stelle hinzufügen, dass es nicht möglich ist, universelle Prinzipien zu erreichen, ohne sein eigenes Volk zu erfassen. Der Weg zu den anderen führt über uns selbst. Nichts Universelles liegt jenseits von uns.

Das kurdische Volk ähnelt in seiner historischen Entwicklung keinem anderen. Während die meisten Völker auf Erden ähnliche Entwicklungen durchlebt haben, hat das kurdische Volk seine Entwicklung entweder auf der ihm eigenen Art fortgeführt oder dort wo es keine Möglichkeit gab seine Entwicklung gestoppt oder gar seinem Leben ein Ende gesetzt. Ich möchte auf folgendes hinaus: Das kurdische Volk hat sich in seiner Geschichte entweder auf dem ihm eigenen Weg bewegt oder überhaupt nicht. Es hat die aus Bergklippen entstandenen Wege den Asphaltstraßen der Zivilisation vorgezogen. Nicht aufgrund von Nichtwissen, sondern wegen dem Hang zu Freiheit in seiner Seele. Vielleicht ist es diese Eigenschaft, die die Kurd*innen zum ältesten Volk der Geschichte und der Hauptader, über die Zivilisation entstanden ist, gemacht hat.

Ich kann nicht wissen, wann das kurdische Kino diese Realität einfangen wird. »Was außer Geschichte sind wir? Was außer Nichts sind wir samt unserer Geschichte?« fragte der schöne Mensch auf der Insel İmralı4. Er machte darauf aufmerksam, dass der/die kurdische Künstler*in in der Geschichte seines/ihres Volks ansetzen muss. Die Natur des kurdischen Menschen lehnt es ab, jemand anderes Wiederholdung, Abgenutztes, Rohentwurf zu sein. Sie zieht es vor Hunderte von Jahren geduldig in ihrer eigenen Einfachheit zu verweilen, ohne sich in die Form eines anderen zu hüllen. Das ist die Farbe der Kurd*innen. Die kurdischen Künstler*innen und Filmemacher*innen müssen diese Farbe einfangen können. Lasst uns nicht vergessen, dass alle Wege der Geschichte durch Kurdistan verlaufen sind, das kurdische Volk aber weiterhin in den Bergen neue Pfade geöffnet hat. Wir können dies Rebellentum oder Dickköpfigkeit nennen. Egal wie wir es auch nennen, es handelt sich hierbei um die kurdische Haltung. Anders können wir es nicht nennen. Der/die kurdische Künstler*in muss diese kurdische Haltung, diesen Hang zu Freiheit festhalten. Natürlich haben Kurd*innen das Feld des Films sehr spät betreten. Die Zivilisation ist den Kurd*innen in diesem Feld vielleicht ein Jahrhundert voraus. Niemand von uns kann die Werte, die von der Filmkunst bisher geschaffen worden sind, leugnen. Der/die kurdische Filmemacher*in muss diese Werte erforschen, erlernen und sich aneignen.

Aber darüber hinaus ist von größerer Bedeutung, dass kurdische Filmemacher*innen ihren eigenen Pfad einschlagen. Wir können auf den Wegen der Anderen voranschreiten, erfolgreiche Arbeit machen, in unseren Filmen die Kurd*innen thematisieren und beklatscht werden. Jedoch heißt dies noch lange nicht, dass wir kurdische Filmemacher*innen sind und kurdisches Kino machen. Ich bin mir darüber bewusst, dass das Kino unter heutigen Bedingungen einen Markt darstellt und man diesen Markt betreten muss, um seine Produkte den Massen zukommen zu lassen. Ich weiß, dass der kurdische Film versucht, eine Existenz zwischen den Zähnen dieses Rads aufzubauen. Ich kann hier, von den Bergen aus, fühlen, dass kurdische Filmschaffende Schwierigkeiten haben, weil sie über keinen eigenen Sektor, keinen eigenen Markt verfügen. Aber zugleich sehe ich den Wunsch und die Sehnsucht innerhalb dieses Markts zu existieren als Schande der kurdischen Filmeschaffenden an. Ich weiß, dass für den Dreh eines Films Finanzquellen und Unterstützung notwendig sind, aber zu meinen das eigentliche Problem des kurdischen Films sei der nicht existierende Markt ist ein Irrtum. Meiner Meinung nach kann das kurdische Kino nicht innerhalb, sondern nur außerhalb dieses Marktes existieren. Ich ziehe es vor, dass kurdische Filme von Jugendlichen heimlich von Hand zu Hand gereicht und zwar illegal, aber von Herzen angeschaut werden, anstatt innerhalb des Marktes von Zeit zu Zeit wie ein orientalischer Gegenstand auf die Tagesordnung gesetzt zu werden. So wie die kurdische Guerilla den Weg, der das kurdische Volk zur Freiheit führt, in den Verstecken der Wälder geöffnet hat, so muss auch der/die kurdische Filmeschaffende den Mut aufbringen, in diesen Wald zu schreiten. So wie die blutjungen Kinder des kurdischen Volks ihren eigenen Pfad aufgeschlagen haben, so erwartet die Geschichte von den kurdischen Künstler*innen denselben Schritt. Sollte es sich bei der Kunst um ein Wagnis handeln, müssen wir uns wagen. Lasst uns nicht auf die Marktplätze gehen. Lasst uns unser Kino nicht inmitten reduzierter Handelsbeziehungen, sondern auf der Basis von genossenschaftlichen Beziehungen aufbauen.

Ich bin Guerilla. Solange das Schwert der Leugnung und Zerstörung über dem kurdischen Volk geschwenkt wird, werde ich mit der Waffe in der Hand in den Bergen leben. Heute bin ich Kameramann, morgen Fotograf, übermorgen Brotbäcker. Wenn man mich auf den Gipfeln der Berge braucht, bin ich dort. Wenn ich bei der Wache gebraucht werde, dann dort. Wenn ich über Nächte hindurch marschieren muss, tue ich das. Ich bin für alle Aufgaben, die mir das kurdische Volk gibt, bereit. Ich weiß nicht, ob ich wieder einen Film drehen werde oder nicht. Aber wenn diejenigen, die dieser Aufgabe nachkommen müssen, es nicht machen, dann bin ich wieder Regisseur.

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12006 von Halil Dağ gedrehter Film über den Kampf der kurdischen Guerillakämpferin Gülnaz Karataş, Kampfname Bêrîtan. Bêrîtan hat sich 1991 zwanzigjährig als Studentin dem bewaffneten Widerstand angeschlossen. Innerhalb kurzer Zeit stieg sie zur Guerillakommandantin auf. Trotz ihrer sehrkurzen Zeit von nur eineinhalb Jahren in den Bergen spielte sie eine große Rolle im Geschlechter- und Klassenkampf innerhalb der PKK und übte posthum großen Einfluss auf die Entwicklung der autonomen Frauenbewegung aus. Bêrîtan ließ ihr Leben im sogenannten »Südkrieg« der türkischen Armee und der KDP-Peschmerga im Herbst 1992. Sie kämpfte bis zur letzten Kugel gegen den anrückenden Feind und zerstörte anschließend zunächst ihr Gewehr und stürzte sich dann von den Klippen, um nicht in die Hände der Peschmerga zu geraten.

2Am 24. März 2006 wurden 14 Guerillakämpfer der PKK durch die türkische Armee mit chemischen Waffen getötet. Sechs der ermordeten Kämpfer waren aus der Stadt Amed (türkisch: Diyarbakır). Am 28. März wurden diese von Tausenden beerdigt und im Anschluss kam es zu dem bis dahin größten kurdischen Aufstand seit 1999. Dieser Aufstand forderte 13 Tote.

3Dengbêj = kurdische/r Volksliedsänger*in, der/die nach alter epischer Tradition Lieder ohne instrumentelle Begleitung vorträgt

4Gemeint ist Abdullah Öcalan, der seit Februar 1999 auf der Gefängnisinsel İmralı im Marmarameer gefangen gehalten wird.